Kia EV4 im Test: Warum der 490-km-Stromer beim Bremsen versagt

Kia will mit dem Kia EV4 die elektrische Kompaktklasse aufmischen und nimmt dabei direkt den VW ID.3 ins Visier. Auf dem Datenblatt liefert der flache Fünftürer überzeugende Argumente für die Langstrecke. Die aktuellen ADAC-Messwerte zeigen jedoch ein extremes Kontrastprogramm: Einer beeindruckenden Ausdauer steht ein massiver Sicherheitsmangel gegenüber, den man vor dem Kauf kennen muss.
Starke 490 Kilometer Reichweite treffen auf fatale Bremsschwäche
Auf der Straße punktet der Koreaner zunächst beim wichtigsten Elektro-Kriterium. Mit der großen 81,4-kWh-Batterie legte der Wagen im ADAC-Messzyklus echte 490 Kilometer zurück. Der ermittelte Testverbrauch liegt bei 19,0 kWh/100 km inklusive Ladeverlusten. Der Frontmotor mit 150 kW (204 PS) schiebt den Stromer in flotten 3,9 Sekunden von 60 auf 100 km/h, was für zügige Überholmanöver völlig ausreicht.
Der Schock folgt bei der Notbremsung: Aus Tempo 100 benötigt der EV4 im Schnitt indiskutable 40,3 Meter bis zum Stillstand. In dieser Fahrzeugklasse ist das ein gefährlicher Ausreißer nach unten, den die Tester völlig zu Recht mit der Note 4,0 abstrafen. Wer im Notfall voll in die Eisen steigt, verschenkt hier im Ernstfall entscheidende Meter.

Viel Beinfreiheit, mäßige Lenkung und leise Kabine
Das Fahrwerk schluckt Straßenschäden auf den serienmäßigen 17-Zoll-Rädern zwar souverän, doch sportliche Ambitionen erstickt die schwammige, rückmeldungsfreie Lenkung sofort im Keim. Bei schnellen Ausweichmanövern wankt der Aufbau deutlich. Dafür stimmt der Langstreckenkomfort: Mit gemessenen 65 dB(A) bei 130 km/h bleibt es im Innenraum bemerkenswert leise.
Auf der Rückbank bietet der EV4 zwar mehr Beinfreiheit als der ID.3, schränkt Personen ab 1,90 Meter aber bei der Kopffreiheit spürbar ein. Zudem lassen sich die Füße wegen des Akkus im Fahrzeugboden nicht unter die Vordersitze schieben. Der Kofferraum fasst alltagstaugliche 345 bis 1290 Liter.
Lade-Falle im Alltag und saftige Aufpreise
An der DC-Schnellladesäule zieht der EV4 im Schnitt 112,9 kW (Peak: 129 kW) und lädt in 32 Minuten von 10 auf 80 Prozent nach. Ärgerlich wird es an der AC-Ladesäule: Standardmäßig lädt der Wagen nur mit 11 kW, was bei leerem Riesen-Akku rund 8 Stunden Ladezeit bedeutet – Strafgebühren für zu langes Blockieren öffentlicher Säulen sind damit vorprogrammiert.
Für den schnelleren 22-kW-Bordlader verlangt Kia unverschämte 990 Euro Aufpreis. Mit einem Grundpreis von 45.540 Euro für das Modell mit großem Akku ist der EV4 kein Schnäppchen. Vor allem der mangelhafte Bremsweg verdirbt dem ansonsten alltagstauglichen Langstrecken-Kompakten die Gesamtwertung.
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