Kia EV9 ADVNTR: Patent zeigt harten Offroad-Stromer

Offroad SUV-Version des Kia EV9
Quelle: KIA
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Studien auf Automessen sind geduldig, doch bei Kia folgt den martialischen Worten nun offenkundig digitale Tinte im Patentamt. Aus frisch aufgetauchten Unterlagen beim US-Patentamt USPTO geht hervor, dass die Südkoreaner die seriennahe Umsetzung des Geländekonzepts EV9 ADVNTR ernsthaft vorantreiben. Die Schutzrechte zeigen einen kantigen Allradler für raues Geläuf, der sich optisch spürbar von der zivilen Basis unterscheidet.

Vor knapp zwei Jahren präsentierte die Marke auf der Tuningshow SEMA 2024 eine erste Studie, die mit Zeltaufbau und grobstolliger Bereifung vor allem Outdoor-Fans ansprechen sollte. Viele Branchenkenner stuften das Fahrzeug damals noch als reine Marketing-Übung ein. Dass die Muttergesellschaft Hyundai Motor Company nun handfeste Patentschriften mit sechs Detailansichten eingereicht hat – zuerst entdeckt von den Kollegen bei CarBuzz –, spricht eine deutliche Sprache. Kia meint es ernst mit dem Abenteuer-Aktivposten.

SEMA-Studie steuert auf die Serienfertigung zu

An den Karosserielinien hat der Hersteller für die spätere Serienfertigung überraschend wenig verändert. Die Patentzeichnungen belegen modifizierte Schürzen an Front und Heck, die gezielt auf bessere Böschungswinkel ausgelegt sind. An der Vorderseite stechen deutlich geformte Abschleppösen hervor, falls der Stromer im tiefen Matsch stecken bleibt. Zwar bleibt die Grundform des bekannten Siebensitzers erhalten, doch das Kleid wirkt deutlich hemdsärmeliger.

Zusätzlich prägen verstärkte Schwellerleisten und breitere Radhäuser mit geländetauglichen All-Terrain-Reifen die Silhouette. Auf dem Dach thront eine kräftige Trägerkonstruktion, die wahlweise Schwerlasten aufnimmt oder als Verankerung für ein ausklappbares Dachzelt dient. Kia zielt damit direkt auf Overlanding-Enthusiasten ab, die ihr Elektroauto nicht nur für den städtischen Pendlereinsatz nutzen wollen. Auch praktische V2L-Funktionen (Vehicle-to-Load) dürften im Reiseaufbau eine zentrale Rolle spielen, um Camping-Equipment direkt aus dem Fahrzeugakku mit Strom zu versorgen.

Diese Ausrichtung auf funktionale Extras kommt keineswegs überraschend. Wie Kias starker Absatz bei Elektroautos eindrucksvoll zeigt, gewinnt die Marke zunehmend Kunden, die gezielt nach eigenständigen E-Modellen verlangen. Ein hochgebockter Allrad-Stromer schließt da eine lukrative Lücke im oberen Portfolio.

Geländetechnik trifft auf bekannte E-GMP-Plattform

Unter den geschützten Anbauteilen bleibt das Modell der bewährten Technik treu. Zwar enthält die Patentschrift naturgemäß keine konkreten Motorisierungsangaben, doch die technische Basis stellt der reguläre Kia EV9. Das derzeitige Topmodell stellt dank Dual-Motor-Setup satte 379 PS sowie ein Drehmoment von 516 lb-ft (umgerechnet etwa 700 Nm) bereit. Die Energie liefert der bewährte 99,8 kWh Akku, der in der US-Ausführung für eine EPA-Reichweite von bis zu 304 Meilen gut ist.

Für den harten Geländeeinsatz wird Kia am Fahrwerk allerdings Hand anlegen müssen. Eine erhöhte Bodenfreiheit und modifizierte Dämpfer sind Pflichtprogramm, damit der schwere Brocken abseits geteerter Pfade nicht aufsetzt. Die veränderte Aerodynamik durch Dachaufbauten und grobes Profil wird zwar an der Effizienz knabbern und Reichweitenkilometer kosten. Das ist die logische Kehrseite, wenn ein SUV echte Geländegängigkeit bieten soll.

Im Konzernverbund sorgt diese Aufteilung für eine klare Differenzierung. Der Hyundai Ioniq 9 als teures Flaggschiff wird eher als komfortabler Luxuskreuzer auf derselben E-GMP-Architektur positioniert. Kia übernimmt hingegen die krawallige Outdoor-Rolle. Das verdeutlicht die Flexibilität des Baukastens, wenn man Mut zur optischen Kante beweist.

Saftige Margen im Trendsegment der Abenteurer

Der Markt für geländetaugliche Elektrofahrzeuge entwickelt sich zu einem einträglichen Geschäft. Hersteller wie Ford, Toyota, Mercedes-Benz oder Genesis drängen verstärkt in diese Nische, weil Kunden für spezialisierte Offroad-Ableger hohe Aufpreise akzeptieren. Für die Autobauer bedeutet das attraktive Margen bei überschaubarem Entwicklungsaufwand, da die Grundplattform bereits existiert.

Preise nennt das Patent selbstverständlich noch keine, doch der Blick auf das bestehende Angebot erlaubt eine klare Einordnung. In den USA startet der Kia EV9 GT-Line aktuell bei 71.900 US-Dollar. Ein serienmäßiger Offroader mit Protektoren, Schleppösen und Spezialfahrwerk wird diese Marke mühelos übertreffen und dürfte bei mindestens 75.000 US-Dollar ansetzen.

Dass Kia solche Experimente vor allem bei den Topmodellen wagt, folgt einer klaren Logik. Wie Kias Absage an eine GT-Variante beim EV2 verdeutlicht, spart man sich kostenintensive Sportableger in den unteren Preissegmenten lieber ein. Bei einem Flaggschiff lässt sich der Preisaufschlag für Zubehör und Offroad-Optik hingegen problemlos im Markt platzieren.

Ob das Modell eins zu eins so beim Händler steht, bleibt offen. Die detaillierten Patentbilder belegen jedoch, dass der Entwurf weit über eine reine Messerotik hinaus ist. Wer ein dreireihiges Elektro-SUV für den Ausflug abseits des Asphalts sucht, sollte den Kalender im Auge behalten.

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