Renault 5: Stilles Akku-Update bringt 430 km Reichweite

Der neue vollelektrische Renault 5 E-Tech. Der Retro-Elektro-Kleinwagen in knalligem Pop-Grün mit schwarzem Kontrastdach vor einem bunten, modernen Studiohintergrund
Quelle: Renault
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Beim Renault 5 passiert gerade etwas, das deutlich interessanter ist als die üblichen Modellpflege-Ankündigungen: Die Reichweite scheint schon vor dem großen Technik-Upgrade zu steigen. Renault Deutschland nennt für den R5 mit 52-kWh-Batterie aktuell weiterhin bis zu 410 Kilometer WLTP, während in Frankreich bereits rund 430 Kilometer auftauchen.

20 Kilometer mehr klingen zunächst nach Kleinkram. Bei einem Elektro-Kleinwagen sind sie es aber nicht: Das entspricht gegenüber den deutschen 410 Kilometern grob fünf Prozent zusätzlicher WLTP-Reichweite – ohne dass Renault dafür bislang eine neue Batterie oder einen neuen Antrieb offiziell angekündigt hätte.

Der eigentliche Aufreger steckt im Konfigurator

Noch interessanter wird die Sache beim kleineren Akku. Renault Deutschland weist für den R5 mit 40 kWh derzeit 312 Kilometer WLTP aus. Im Quellenmaterial tauchen für andere Märkte bereits höhere Werte auf, darunter 321 Kilometer.

Damit liegt der Verdacht nahe, dass Renault an der Effizienz beziehungsweise an der Berechnung der homologierten Reichweite gearbeitet hat. Belegt ist die Ursache allerdings nicht. Genau hier sollte man sauber bleiben: Von einem Software-Update bis zu Änderungen an Fahrzeugkonfiguration, Verbrauchsparametern oder anderen technischen Details ist derzeit vieles denkbar.

Für Käufer ist das trotzdem eine interessante Nachricht. Wer einen R5 mit 52 kWh bestellt, bekommt eben nicht plötzlich eine größere Batterie – aber möglicherweise ein Auto, dessen offiziell angegebene Reichweite neu bewertet wurde.

Renaults großes Upgrade kommt erst noch

Das alles dürfte nur ein Vorgeschmack auf das sein, was Renault Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 plant. Dann sollen Renault 5 und Renault 4 einen überarbeiteten Gen-2-Evo-Antrieb bekommen.

Renault-Entwicklungschefin Marianne Bataillon erklärte gegenüber Autocar, dass sowohl Effizienz als auch Leistung verbessert werden sollen. Genannt wurden dabei ausdrücklich Wechselrichter und Untersetzungsgetriebe als Ansatzpunkte.

Das ist wesentlich relevanter als ein paar zusätzliche Kilometer im Konfigurator. Ein effizienterer Antrieb kann bei einem Elektroauto direkt mehrere Bereiche verbessern: Verbrauch, Reichweite und unter Umständen auch die Leistungsfähigkeit. Konkrete Werte für den kommenden R5 nennt Renault bislang allerdings noch nicht.

Der kleine Akku soll günstiger werden

Beim 40-kWh-Modell steht zudem ein größerer technischer Wechsel bevor. Nach den vorliegenden Angaben soll die bisherige NMC-Batterie künftig durch eine günstigere LFP-Batterie ersetzt werden.

Das ist für Kunden wichtiger als es zunächst klingt. LFP-Zellen sind bei den Materialkosten attraktiv und gelten als weniger problematisch bei der Abhängigkeit von bestimmten Rohstoffen. Für Renault eröffnet das vor allem die Möglichkeit, die Einstiegsversion günstiger zu bauen.

Die 52-kWh-Variante soll dagegen weiterhin mit NMC-Technik angeboten werden. Damit bleibt die größere Batterie die teurere, aber energetisch dichtere Lösung.

Der VW ID. Polo macht den Druck sichtbar

Warum Renault bei Reichweite und Effizienz überhaupt nachlegen muss, zeigt ein Blick auf die neue Konkurrenz. Der Volkswagen ID. Polo tritt genau in dem Segment an, in dem der R5 bislang einen starken Eindruck hinterlassen hat.

Autocar nennt für den ID. Polo je nach Antrieb bis zu 283 Meilen, also rund 455 Kilometer. Damit liegt Volkswagen beim maximalen WLTP-Wert vor dem heute in Deutschland angegebenen R5 mit 410 Kilometern.

Genau deshalb sind die jetzt auftauchenden zusätzlichen Kilometer interessant. Noch wichtiger wird aber sein, was Renault aus dem kompletten Gen-2-Evo-Paket herausholt.

20 Kilometer sind nett – die Hardware entscheidet

Der Fehler wäre, die aktuelle Reichweitenänderung zum großen Durchbruch aufzublasen. 20 Kilometer mehr im Konfigurator machen aus dem R5 kein völlig neues Auto.

Aber sie liefern einen Hinweis darauf, wie viel Potenzial Renault offenbar noch in der bestehenden Technik sieht. Wenn schon vor dem eigentlichen Hardware-Upgrade höhere Reichweitenwerte auftauchen, stellt sich zwangsläufig die Frage, was Ende 2026 beziehungsweise Anfang 2027 mit optimiertem Motor, überarbeitetem Antriebsstrang und neuer Batterietechnik möglich wird.

Renault hat dafür bislang keine belastbare Zielzahl genannt. Genau deshalb wäre alles andere als Spekulation.

Das wurde aber auch Zeit

Der Renault 5 gehört zu den auffälligsten Elektro-Kleinwagen Europas. Gerade deshalb darf Renault sich beim Thema Technik nicht auf seinem gelungenen Design und dem bisherigen Verkaufserfolg ausruhen.

Der aktuelle Reichweiten-Sprung ist noch kein Grund für Jubel. Er ist aber ein ziemlich deutlicher Hinweis darauf, dass beim R5 technisch noch Luft nach oben steckt.

Für deutsche Kunden bleibt vorerst nur der Blick in den Konfigurator: Dort stehen weiterhin 410 Kilometer mit 52 kWh und 312 Kilometer mit 40 kWh.

Und genau das ist momentan die spannendere Frage als jede Hochglanz-Ankündigung: Warum gibt es in anderen Märkten bereits höhere Werte – und wann übernimmt Renault diese offenbar mögliche Verbesserung auch in Deutschland?

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