Skoda Peaq im 5.500-km-Test: Kodiaq-Schreck mit Software-Macken

Die komplette Seitenansicht des neuen Skoda Peaq in edlem Roségold-Kupfer. Das Crossover zeigt sein minimalistisches Design mit großen Bicolor-Aerofelgen und versenkbaren Türgriffen in der Abenddämmerung
Quelle: Škoda Auto Deutschland GmbH
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Ein dreiwöchiger Schweden-Roadtrip über 5.545 Kilometer liefert die ersten ungeschminkten Praxiswerte für Škodas neues Elektro-Flaggschiff. In seinem ausführlichen YouTube-Video zieht Matthias vom YouTube-Kanal Speicher elektrisiert Bilanz zu einer Reise im tschechischen Vorserienmodell des Škoda Peaq 90X. Mit Allradantrieb und 220 kW Systemleistung deklassiert das 4,87 Meter lange SUV klassische Verbrenner bei den Energiekosten drastisch, leistet sich laut Matthias vor dem offiziellen Marktstart aber auch handfeste Schwächen bei Bedienung und Software.

Auf den skandinavischen Fernstraßen bei Geschwindigkeiten zwischen 90 und 110 km/h pendelte sich der Stromer bei einem Gesamtschnitt von 22 kWh auf 100 Kilometern ein. Rechnet man diesen Wert über den physikalischen Heizwert von Diesel (9,8 kWh pro Liter) um, verbraucht der Peaq rechnerisch gerade einmal 2,2 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Für die gesamte Strecke von Weiterstadt über Dänemark und Südschweden zahlte Matthias reale Stromkosten von rund 390 Euro. Rechnet man die wenigen Gratis-Ladungen sowie den 92-prozentigen Akkustand bei Abfahrt fair mit 40 Cent pro kWh ein, landet die Gesamtabrechnung bei 430 Euro. Das entspricht Reisekosten von knapp über 7 Euro auf 100 Kilometern – für ein voll beladenes Reise-SUV mit Hund und Urlaubsgepäck. Dass der Škoda Peaq als Elektro-SUV über den Preis attackiert, bestätigt sich damit auch schwarz auf weiß an den Ladesäulen.

Verbrenner-Vergleich: Kodiaq TDI verbraucht das Dreifache an Energie

Den größten Aha-Effekt liefert der von Matthias aufgestellte Vergleich mit den Verbrenner-Geschwistern aus dem eigenen Konzern. Ein Škoda Kodiaq 2.0 TDI (142 kW) hätte auf derselben Route Sprit für 730 bis 800 Euro verbrannt. Energetisch betrachtet benötigt der Diesel mit rund 3.600 kWh das Dreifache des Peaq, der die gesamte Reise mit gut 1.200 kWh absolvierte.

Noch extremer fällt der Vergleich mit dem sportlichen Benziner Kodiaq RS (195 kW) aus: Hier wären laut Spritpreis- und Verbrauchsdaten 950 bis fast 1.100 Euro fällig gewesen – bei einem Energieeinsatz von nahezu 4.500 kWh. Matthias bringt das Grundproblem auf den Punkt: Verbrenner nutzen Kraftstoff primär zur Wärmeerzeugung, während der E-Motor Bewegungsenergie liefert. Hinzu kommt die Energierückgewinnung: Ganze 146 kWh holte der Peaq beim Bremsen und Bergabfahren über Rekuperation zurück. Das entspricht rechnerisch 1,7 Vollladungen des 86-kWh-Akkus oder rund 50 Euro Ersparnis. Bereits als der Produktionsstart des Škoda Peaq tausende Vorbestellungen auslöste, fehlten genau diese greifbaren Vergleichsdaten aus der Fahrpraxis.

Lade-Alltag: 15-Cent-Idylle in Schweden trifft deutschen Tarif-Dschungel

Auf den 5.545 Kilometern steuerte Matthias insgesamt 23 Mal eine Ladesäule an, davon 18 Mal an DC-Schnellladern mit einer durchschnittlichen Standzeit von gerade einmal 21 Minuten. Mit Pausen zwischen 9 und 28 Minuten diktierte nie das Fahrzeug die Stopps, sondern Kaffeepausen und Gassirunden mit dem Hund.

Am HPC-Lader zog der Peaq sofort 184 bis 185 kW Ladeleistung und nutzte das Werksmaximum von 199 kW fast vollständig aus. In Schweden erwies sich das Laden dank flächendeckender Kartenterminals an Supermärkten als völlig unkompliziert. Den größten Sparvorteil nutzte der YouTuber am Ferienhaus: Über eine mitgebrachte mobile Wallbox an einem 16-Ampere-Starkstromanschluss lud der Peaq mit 10,3 kW für unter zwei Kronen pro Kilowattstunde am Ferienhaus – umgerechnet rund 15 bis 16 Cent. Fast ein Drittel der gesamten Reiserate (ca. 390 kWh) wurde so passiv nebenbei geladen.

Die Ernüchterung folgte prompt an deutschen Autobahnen. Wegen überlasteter Ionity-Säulen musste Matthias in Quickborn an eine EWE-Go-Säule ausweichen und zahlte beim Ad-hoc-Laden ohne Vertrag happige 84 Cent pro Kilowattstunde. Deutschland und sein Lade-Dschungel-Problem eben.

Trotz überlasteter Ladeparks lobt Matthias die Reichweitenprognose des Autos: Das Navigationssystem berechnete den Ankunfts-SoC selbst über 200 Kilometer und bei wechselhaftem Wetter bis auf ein Prozent exakt. Neben dem kleineren Škoda Elroq als Bestseller richtet sich der Peaq also klar an langstreckenorientierte Familien.

Cockpit-Ergonomie: Überfrachteter Lenkstockhebel und Software-Macken

Trotz großzügigem Platzangebot, hohem Reisekomfort und einer aufgeräumten Mittelkonsole mit physischen Reglern übt Matthias deutliche Kritik an der Bedienung. Der linke obere Lenkstockhebel ist in seinen Augen völlig überfrachtet: Blinker, Fernlicht sowie Front- und Heckscheibenwischer sitzen auf einem einzigen Hebel. Im Fahralltag führte das öfter zu Fehlbedienungen – wer den Blinker betätigen wollte, aktivierte ungewollt die Wischanlage. Lob gab es hingegen für den separaten, unteren Hebel für den Tempomaten, der sich bereits nach wenigen Kilometern blind und intuitiv bedienen lässt.

Auch die Software des Vorserienautos zeigte im Test spürbare Schwächen. Größter Kritikpunkt war die unzuverlässige Ampelerkennung: Auf mehrspurigen Kreuzungen interpretierte das System wiederholt rote Abbiegeampeln für die freie Geradeausspur und leitete Bremswarnungen ein, sodass Matthias die Funktion dauerhaft deaktivierte.

Im Infotainment störten wiederholte Verbindungsabbrüche bei Apple CarPlay, temporär verschwindende Favoritenleisten am unteren Displayrand und gelegentliche blaue Bildschirme ohne Karteninhalt. Zudem fielen nach einem Fahrtantritt für fünf Minuten sämtliche Assistenzsysteme aus. Auch wenn das Fahrzeug stets fahrbereit blieb, fordert Matthias von Škoda bis zur Markteinführung spürbare Nachbesserungen bei Software und Ergonomie.

Aber seht am besten selbst:

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Ein Kommentar

  1. Warum lädt man bei eweGo adhoc für 0,84€ wenn man mit dem simplen Herunterladen der App auch für 0,52€ hätte laden können?

    Ja, die Kritik am deutschen Ladedschungel und den unverschämten adhoc-Preisen ist notwendig und berechtigt, aber ein paar Ladekarten hat doch mittlerweile jeder genau deswegen dabei.

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