smart #1 Facelift: 800V-Ladeblitz und das Ende der Pop-Out-Griffe

smart zieht beim #1 die Spendierhosen an und unterzieht seinem kompakten Elektro-SUV eine überraschend radikale technische Überarbeitung. Wer geglaubt hat, dass Modellpflegen in dieser Klasse nur aus frischen Schürzen und bunten Lacken bestehen, wird eines Besserung belehrt: Der Geely-Mercedes-Konzern greift ganz tief in die Hardware-Kiste der konzerneigenen SEA-Plattform.
Laden in 12 Minuten: Wenn der 6C-Akku die Reichweite schrumpfen lässt
Das eigentliche Herzstück des China-Updates ist der Umstieg auf eine echte 800-Volt-Architektur inklusive einer extrem ladefreudigen 6C-Schnellladetechnologie. Das Versprechen liest sich wie eine direkte Ansage an Konkurrenten wie den Hyundai Ioniq 5: Der Ladevorgang von 10 auf 80 Prozent SoC soll in gerade einmal 12 Minuten erledigt sein.
Da bin ich echt gespannt auf die ersten realen Ladekurven an der Säule. In der Spitze dürfte der smart mit einer durchschnittlichen Ladeleistung von knapp 215 kW locker die 250 kW kratzen. Doch dieser Rausch der Geschwindigkeit verlangt ein technisches Zugeständnis, das man genauer hinterfragen muss.
Der Akku schrumpft nämlich leicht von bislang 66 kWh auf 61,52 kWh. Unter dem Strich verliert der Wagen im chinesischen CLTC-Zyklus rund 35 Kilometer an Gesamtreichweite – umgerechnet auf den realistischeren WLTP-Standard bleiben wohl knapp 420 Kilometer übrig. Ein klassischer Deal im aktuellen Markt: Etwas weniger Reichweite für dramatisch kürzere Stopps.
Sicherheitsrisiko Türgriff: Warum China Geely zum Umdenken zwingt
Apropos Hardware-Änderungen: Wer genauer hinschaut, bemerkt an der Seite des überarbeiteten smart #1 sofort ein auffälliges Detail. Die bündig versenkbaren, elektrisch ausfahrenden Türgriffe sind Geschichte. smart verbaut stattdessen wieder konventionelle, mechanische Griffe.
Hinter dem gänzlich neuen Design steht kein spontaner Einfall der Designer, sondern knallharte Regulierungsarbeit. China hat mit der neuen Sicherheitsnorm GB 48001-2026 ein klares Signal gesetzt: Nach mehreren Unfällen, bei denen stromlose versenkte Griffe die Rettung von Insassen verhinderten, fordert die Behörde künftig wieder garantierte mechanische Eingriffsmöglichkeiten von außen. Ein begrüßenswerter Schritt zur Vernunft, denn bei Unfällen zählt jede Sekunde.
Unabhängig davon legt auch der Antrieb spürbar zu. An der Hinterachse werkelt künftig ein Elektromotor mit satten 333 PS (245 kW), der von moderner Siliziumkarbid-Leistungselektronik angesteuert wird. smart gibt hier einen Systemwirkungsgrad von beachtlichen 93,8 Prozent an. Auch die Haltbarkeit klingt vielversprechend: Satte 3.500 Vollladezyklen soll die neue Batterie mitmachen – theoretisch gut für über 1,2 Millionen Kilometer.
LiDAR-Upgrade und Cockpit-Rüstzeug: Wann startet der 800V-smart in Europa?
In den neuesten Datenblättern zeigt sich auch bei der Fahrassistenz ein gewaltiger Sprung. Die neue EEA4.0-Elektronikarchitektur bündelt die Steuerung von 31 Sensoren inklusive eines LiDAR-Systems auf dem Dach, was hochautomatisiertes Fahren im urbanen Dschungel und auf Autobahnen ermöglichen soll.
Im Cockpit zieht derweil ein riesiges 15,4-Zoll-Display mit 2,5K-Auflösung ein, angetrieben von einem im 4-Nanometer-Verfahren gefertigten Longying-6P-Prozessor. Wen überrascht es: Der bisherige 12,8-Zoll-Bildschirm wirkt daneben schlagartig wie aus der letzten Generation.
Wer nun direkt zum nächsten smart-Store rennen möchte, muss sich allerdings gedulden. Die volle Technik-Keule startet vorerst ausschließlich auf dem chinesischen Heimatmarkt. Nach aktuellen Brancheninformationen ist mit dem Facelift inklusive 800-Volt-Technik in Europa erst 2027 zu rechnen – und das vermutlich mit einem an hiesige Datenschutz- und Straßenverhältnisse angepassten Sensor-Paket.
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