VW ID.3 Neo: Stark auf der Autobahn, lahmer am Stecker

seitliche Frontansicht eines blauen VW ID.3 Neo
Quelle: Volkswagen AG
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VW feilt am ID.3 Neo und rückt das Elektroauto optisch sowie haptisch näher an den Golf heran. Wer allerdings hofft, dass die Wolfsburger mit dem Facelift die alten MEB-Krankheiten ausgemerzt haben, schaut beim Blick in den Kofferraum dumm aus der Wäsche: Das Ladeabteil fällt spürbar kleiner aus als beim deutlich kürzeren ID Polo. Das ist ein echtes Raumökonomie-Debakel für die kompakte Klasse.

Unter dem Blech bleibt es beim Heckantrieb, was auf der Landstraße für gewohnt knackigen Durchzug sorgt. Der große 79-kWh-Akku schlägt zwar finanziell tief ins Kontor, zeigt auf der Langstrecke aber seine Muskeln: Bei konstant 130 km/h genehmigt sich der ID.3 Neo bei sommerlichen Temperaturen faire 21 kWh auf 100 Kilometern. Das reicht für solide 380 Kilometer Autobahn am Stück – ein Wert, bei dem Kleinwagen wie der ID Polo oder Cupra Raval mit ihren 280 bis 300 Kilometern das Nachsehen haben.

Schneckentempo an der Ladesäule frisst den Reichweitenvorteil auf

Wer jetzt denkt, mit der großen Batterie entspannt durchzureisen, wird am Schnelllader auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Die MEB-Plattform limitiert den Stromer auch als MEB+ weiterhin spürbar. Zwar peitscht die Ladeleistung bei optimalen Zelltemperaturen kurzzeitig auf über 180 kW hoch, fällt danach jedoch extrem steil ab und dümpelt lange bei mageren 100 kW herum.

Unterm Strich benötigt der Hub von 12 auf 81 Prozent stramme 30 Minuten, um 60 kWh nachzutanken. Dass bei 80 Prozent SoC immerhin noch knapp 80 kW anliegen, rettet die Bilanz kaum. Die kleineren Stromer der Konzerngeschwister laden ihren Akku trotz geringerer Peak-Leistung in unter 25 Minuten voll, weil ihre Ladekurve viel flacher verläuft.

Warum die altbackene 400-Volt-Architektur im Alltag bremst

380 Kilometer reale Reichweite sind für drei Stunden entspanntes Fahren am Stück absolut praxistauglich. Das eigentliche Nadelöhr ist und bleibt die Stecker-Zeit. Während man im ID.3 Neo eine halbe Stunde an der Ladesäule feststeckt, zieht ein Hyundai Ioniq 5 dank moderner 800-Volt-Technik dieselbe Ladung von 10 auf 80 Prozent in echten 18 Minuten durch.

VW verlangt für den großen Akku einen saftigen Aufpreis, liefert aber beim Nachladen nur Mittelmaß ab. Wer viel auf der Langstrecke unterwegs ist, zahlt hier doppelt: einmal beim Kaufpreis und danach in Form von vergeudeter Lebenszeit an der Raststätte.

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