VW ID. Polo: Warum der ID.3 Neo plötzlich sinnlos wirkt

VW bringt den ID. Polo und den ID.3 Neo zeitgleich auf den Markt. Gleiches Geld, aber zwei völlig unterschiedliche technische Welten – und wer das Datenblatt genauer studiert, reibt sich verwundert die Augen. In der hart umkämpften Preisregion um 37.000 Euro macht der kleinere Polo das vermeintlich größere Kompaktmodell absolut nass.
Wen überrascht es eigentlich noch, dass VW sich hier im eigenen Showroom konterkariert? Wenn wir beim ID. Polo in der Style-Ausstattung bereits den großen 52-kWh-Akku serviert bekommen, reicht das Budget beim ID.3 Neo gerade einmal für die abgespeckte Life-Ausführung.
Mehr Leistung und Reichweite im Kleinwagen
Die nackten Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Der ID. Polo liefert mit seiner 52-kWh-Batterie starke 452 Kilometer Reichweite nach WLTP und leistet stramme 211 PS (155 kW). Der ID.3 Neo zieht in der Basis spürbar den Kürzeren: Bei 412 Kilometern ist Schluss, und die E-Maschine leistet lediglich 170 PS.
Das schlägt sich direkt auf dem Asphalt nieder. Beim Tritt aufs Rechtepedal sprintet der Polo in zackigen 7,1 Sekunden auf Tempo 100, während der trägere ID.3 Neo über 8,5 Sekunden benötigt. Die 211 PS des Polo zerren allerdings ausschließlich an den Vorderrädern – bei nassem Asphalt verlangt das nach einem feinen Stromfuß. Da bin ich persönlich nach wie vor Fan des heckangetriebenen ID.3. Am Schnelllader herrscht mit 24 Minuten für den Ladehub von 10 auf 80 Prozent immerhin Gleichstand.

| Kennzahl | VW ID. Polo Style | VW ID.3 Neo Life | VW ID.3 Neo Long-Range |
| Plattform | MEB+ (Frontantrieb) | MEB (Heckantrieb) | MEB (Heckantrieb) |
| Akkugröße | 52 kWh netto | 50–52 kWh netto | 79 kWh netto |
| Leistung | 211 PS (155 kW) | 170 PS (125 kW) | 231 PS (170 kW) |
| Reichweite (WLTP) | 452 km | 412 km | 629 km |
| Kofferraumvolumen | 441 Liter | 383 Liter | 383 Liter |
| 0–100 km/h | 7,1 Sekunden | > 8,5 Sekunden | ca. 6,8 Sekunden |
| Richtpreis (ca.) | 37.000 Euro | 37.000 Euro | > 43.000 Euro |
MEB+-Packaging: Der Lade-Trick beim Kofferraum
Nun könnte man argumentieren: Das Kompaktmodell bietet im Alltag schlicht mehr Raum. Pustekuchen. Beim Kopffreiheit-Check in Reihe eins herrscht exakter Gleichstand, und im Fond verliert der Polo gerade einmal mickrige 4 Millimeter effektiven Kopfraum gegenüber dem ID.3.
Der technische Kniff dahinter ist denkbar einfach: Weil der MEB+ Baukasten auf Frontantrieb setzt, entfällt der wuchtige E-Motor unter dem Heck. Das gibt beim ID Polo ein tiefes Fach unter dem Ladeboden frei.
Das Resultat ist ein gigantischer Gepäckraum von 441 Litern. Der knapp 20 Zentimeter längere ID.3 Neo wirkt mit seinen 383 Litern dagegen erstaunlich knapp bemessen. Erst wer die Rücksitzbank komplett umklappt und Sperrgut einlädt, zieht aus den größeren Abmessungen des Kompaktwagens einen echten Vorteil.
Der Einstiegs-ID.3 verliert seine Existenzberechtigung
Beide Stromer bekommen glücklicherweise das aufgewertete Cockpit samt modernem Android-Infotainment und haptischen Lenkradtasten spendiert. Doch unterm Strich macht die MEB+-Architektur des Polo den Basis-ID.3 Neo schlicht überflüssig.
In den neuesten Marktanalysen wird deutlich: Ein ID.3 Neo mit dem kleinen Akku ergibt kaum noch einen rationalen Sinn. Erst wer tief in die Tasche greift und auf den großen 79-kWh-Akku mit über 629 Kilometern Reichweite aufrüstet, erhält wieder ein Fahrzeug, das den deutlichen Aufpreis rechtfertigt. Da bin ich echt gespannt, wie die VW-Händler diese Preis-Falle im Kundengespräch auflösen wollen.
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