Leapmotor D19: Warum Chinas 70.000-Euro-Schiff den Deutschen wehtut

Leapmotor zieht das Tuch von einem echten Brocken: Auf dem Pariser Autosalon feierte der Leapmotor D19 seine Premiere. Ein 5,25 Meter langes Luxus-SUV mit satten 540 kW (734 PS), drei Motoren, riesigem 115-kWh-Akku und einem kolportierten Preisschild von rund 70.000 Euro für den europäischen Markt.
Auf dem Papier klingt das erst mal nach einer selbstbewussten Ansage für eine Marke, die hierzulande bislang eher für bezahlbare Kleinwagen bekannt ist. Vor allem, wenn man weiß: In China startet der Koloss umgerechnet schon ab rund 28.000 Euro. Wer den D19 nach Europa holt, zahlt also mal eben das Zweieinhalbfache. Aber ganz ehrlich: Schaut man sich an, was Mercedes, BMW oder Audi für ihre elektrischen Dickschiffe aufrufen, kippt das Bild gewaltig.
Viel Blech und 734 PS: Was der Leapmotor D19 technisch auffährt
Der Leapmotor D19 positioniert sich als reinrassiges Oberklasse-SUV mit drei Sitzreihen und sechs komfortablen Einzelsitzen. Drei Elektromotoren liefern im Topmodell eine Systemleistung von 540 kW (734 PS) sowie 850 Nm Drehmoment. Damit beschleunigt das rund 2,3 Tonnen schwere Gefährt in flotten 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, bevor bei 210 km/h elektronisch abgeregelt wird.
Für die Langstrecke packt der Hersteller eine 115-kWh-Batterie in den Unterboden. Nach dem recht optimistischen chinesischen CLTC-Zyklus sollen damit bis zu 720 Kilometer drin sein – realistisch nach europäischem WLTP-Messverfahren dürften am Ende knapp 580 bis 600 Kilometer auf der Anzeige stehen. Neben dem reinen Stromer gibt es in China übrigens auch eine EREV-Variante mit zusätzlichem Verbrenner als Stromerzeuger, die rechnerisch bis zu 1.300 Kilometer Reichweite schaffen soll.
Spannender ist allerdings das elektrische Rückgrat: Leapmotor spendiert dem Wagen eine 1.000-Volt-Architektur und verspricht eine maximale Ladeleistung von bis zu 460 kW. Steht man an einer entsprechend potenten Ladesäule, sollen sich in nur 15 Minuten rund 350 Kilometer Reichweite nachpumpen lassen. Das sind Werte, bei denen selbst etablierte deutsche Nobel-Stromer aktuell schlicht passen müssen. Wie ambitioniert die Chinesen bei ihren Plattformen vorgehen, zeigte sich ja schon, als wir über Chinas 5,25-Meter-SUV und die ersten technischen Eckdaten berichtet haben.
Die 70.000-Euro-Rechnung: Warum der Preis trotz 150 Prozent Aufschlag sitzt
In China steht der Basispreis für den D19 bei umgerechnet knapp 28.000 Euro, während für Europa derzeit rund 70.000 Euro im Raum stehen. Dieser rechnerische Aufschlag von exakt 150 Prozent bzw. 42.000 Euro ergibt sich aus EU-Strafzöllen, langen Frachtwegen, aufwendigen Anpassungen für die europäische Zulassung und den Margen der Vertriebspartner.
| Modell / Vergleich | Systemleistung | Batterie | Lade-Peak | Basispreis (ca.) |
| Leapmotor D19 (China-Import) | 540 kW (734 PS) | 115 kWh | bis 460 kW | ca. 70.000 € |
| Mercedes EQS SUV (450 4MATIC) | 265 kW (360 PS) | 118 kWh | bis 200 kW | ab 110.600 € |
| BMW iX (xDrive50) | 385 kW (523 PS) | 109 kWh | bis 195 kW | ab 107.900 € |
Dass man für den Europa-Start mal eben das Zweieinhalbfache des China-Preises hinlegen soll, schmeckt im ersten Moment natürlich bitter. Schaut man sich allerdings das reale Marktumfeld an, relativiert sich die Summe ziemlich schnell: Ein vergleichbar ausgestatteter BMW iX oder Mercedes EQS SUV knackt problemlos die Marke von 108.000 bis 111.000 Euro – bringt dabei aber spürbar weniger Power und eine deutlich langsamere Ladetechnik mit. Wer im Luxus-Segment unterwegs ist oder mit dem kommenden BMW iX7 Elektro-Koloss liebäugelt, spart sich beim D19 unterm Strich immer noch knapp 38.000 bis über 40.000 Euro. Selbst mit dem satten Europa-Aufschlag bleibt der Wagen für die etablierte Konkurrenz deshalb ein extrem unangenehmer Preisbrecher.
Der Stellantis-Vorteil: Warum Leapmotor nicht am Nio-Schicksal scheitert
Der eigentliche Trumpf von Leapmotor sitzt allerdings gar nicht im Akku, sondern im Vertrieb: Hinter dem europäischen Rollout steht der Autoriese Stellantis, der über ein gemeinsames Joint Venture die Fäden zieht. Andere Marken aus Fernost wie Nio oder Lucid beißen sich seit Jahren daran die Zähne aus, für Unsummen eigene Glaspaläste und Service-Hubs aus dem Boden zu stampfen. Leapmotor spaziert dagegen einfach durch die Vordertür und nutzt schlicht die vorhandene Infrastruktur.
Für den Käufer heißt das ganz praktisch: Wenn am 5,2-Meter-Schiff mal ein Sensor spinnt oder die Luftfederung klappert, fährt man nicht in einen einsamen Service-Hub ans andere Ende der Republik. Man stellt den Wagen einfach bei einem der hunderte Partnerbetriebe von Opel, Peugeot oder Fiat auf den Hof. Dass dieses Baukasten-Prinzip im Alltag funktioniert, zeigt sich übrigens schon beim kleineren Leapmotor B03X mit Stellantis-Technik, der auf demselben Weg zu den Kunden rollt.
Echte Ansage oder zu viel Geld für einen Exoten?
Ob Leapmotor den D19 hierzulande am Ende wirklich für glatte 70.000 Euro in die Schauräume rollt, steht offiziell zwar noch nicht fest. Die Richtung ist aber unmissverständlich: Deutsche Autobauer betrachten die Fünf-Meter-Klasse seit jeher als persönliche Lizenz zum Gelddrucken im sechsstelligen Bereich. Leapmotor hält nun dagegen und zeigt ziemlich unverblümt, wie viel Auto und High-End-Ladetechnik heute fürs Geld drin sind.
Mit 734 PS, sechs Sesseln und dem Stellantis-Werkstattnetz im Rücken verliert das Auto den typischen Schrecken des unbekannten China-Imports. Bleibt nur die Frage: Würdet ihr 70.000 Euro für ein chinesisches Luxus-SUV ausgeben – oder wiegt das Prestige eines Mercedes-Sterns am Ende doch schwerer?
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