Xpeng L03: 35.600-Euro-Angriff trifft deutsche Autobauer empfindlich

schräge Heckansicht eines grauen Xpeng L03
Quelle: Xpeng
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Der Xpeng L03 schlägt mit einem Einstiegspreis von 35.600 Euro in Deutschland auf. Für diesen Tarif stellen Volkswagen, Skoda oder BMW dem Kunden meist nur nackte Basis-Kompaktwagen vor die Tür. Xpeng packt stattdessen ein 4,65 Meter langes SUV-Coupé mit Vollausstattung, 236 kW Ladeleistung und üppigem Platzangebot auf die Straße.

Preisbrecher mit 460-Volt-Trick am Schnelllader

Auf dem Papier spart sich der L03 eine teure 800-Volt-Architektur. In der Praxis entpuppt sich dieser Verzicht jedoch als cleverer Schachzug.

Xpeng nutzt eine 400-Volt-Basis, treibt die Ladespannung unter Last aber auf über 460 Volt und zieht knapp 500 Ampere durch das Ladekabel. Das Ergebnis: Bis zu 236 kW DC-Peak und ein Ladehub von 10 auf 80 Prozent in glatt 20 Minuten. Selbst bei 71 Prozent fließen noch satte 150 kW in den Akku. Während Wettbewerber aufwändige eigene Flash-Charging-Stationen in China errichten müssen, quetscht Xpeng die maximale Leistung aus dem bestehenden europäischen CCS-Netz heraus.

Der Akku setzt auf robuste Lithium-Eisenphosphat-Zellen (LFP). Im Einstiegsmodell Standard Range für 35.600 Euro liefert die 58,3-kWh-Batterie bis zu 445 Kilometer WLTP-Reichweite bei 180 kW (245 PS) Heckantrieb. Die Variante Long Range für 38.600 Euro packt 71,1 kWh ein und schafft 520 Kilometer. Die gefahrene Topversion Performance Ultra kombiniert den großen Akku mit Allradantrieb, leistet 285 kW (388 PS) und kostet 46.600 Euro.

Dass der Hersteller trotz der schwierigen Branchenlage so aggressiv bepreist – wie die Zahlungsprobleme bei BYD und Xpeng im Heimatmarkt zuletzt zeigten –, belegt den Druck, in Europa sofort messbare Marktanteile zu gewinnen.

Luxus-Kabine serienmäßig, doch der Teufel steckt im Detail

Wer einsteigt, reibt sich verwundert die Augen. Wo deutsche Hersteller selbst für die Sitzheizung Aufpreis verlangen, bietet der L03 ab Werk elektrisch verstellbare, beheizbare und belüftete Sitze samt Massagefunktion.

Das Cockpit wird von einem 15,6-Zoll-Zentralbildschirm und einem 8,9-Zoll-Fahrerdisplay dominiert. Letzteres sitzt direkt auf der Lenksäule und wandert bei der mechanischen Höhen- und Tiefenverstellung mit. Dadurch verdeckt der Lenkradkranz nie die Geschwindigkeitsanzeige. Die Kopffreiheit und der Knieraum im Fond überzeugen selbst Passagiere mit 1,95 Metern Körpergröße mühelos.

Doch die chinesische Sparpolitik schlägt an unerwarteten Stellen zu:

  • Keine Höhenverstellung für den Beifahrersitz: Wer rechts mitfährt, sitzt fixiert und unverhältnismäßig hoch.
  • Kratzanfälliges Hartplastik im Gepäckabteil: Der Kofferraum bietet mit 367 bis 1.131 Litern ohnehin nur mäßig Platz, die nackten Seitenwände verkratzen durch Reisekoffer sofort. Ein Frunk fasst beim Allradler 44 Liter, beim Heckantrieb 87 bis 89 Liter.
  • Verschachteltes Apple CarPlay: Das Hin- und Herschalten zwischen Fahrzeugmenü und Smartphone nervt im Alltag. Navigationshinweise aus Apple CarPlay landen weder im Head-up-Display noch im digitalen Tacho.

Komfortabler Gleiter mit Schwächen im Kurvenlimit

Auf der Landstraße und Autobahn zeigt das Fahrwerk klare Kontraste.

Im normalen Stadt- und Pendelverkehr bügelt das Stahlfahrwerk Gullideckel und Teerflicken geschmeidig weg. Die Geräuschdämmung ist trotz rahmenloser Seitenscheiben und Einfachverglasung hervorragend: Bei 50 km/h herrschen im Innenraum leise 59 dB, bei 100 km/h rund 70 dB. Die Assistenzsysteme regeln erfreulich unaufgeregt und halten das SUV spurtreu auf Kurs.

Wird der L03 allerdings dynamisch in die Kurve geworfen, verlässt ihn die Souveränität.

Das über 2.040 Kilogramm schwere SUV schiebt in Wechselkurven und schnellen Kreisverkehren früh und spürbar über die Vorderachse. Das elektronische Stabilitätsprogramm greift spät und ruppig ein. Bei schnellen Ausweichmanövern wankt der Karosserieaufbau spürbar nach. Das oben und unten stark abgeflachte Lenkrad erweist sich beim schnellen Umgreifen in der Stadt zudem als ergonomischer Quatsch.

Erstaunlich sparsam auf der Pendelstrecke

Beim Stromverbrauch liefert der Antriebsstrang hingegen ab:

  • Stadtverkehr: Extrem sparsame 13,2 kWh/100 km bei flüssiger Fahrt.
  • Autobahn (110–130 km/h): Rund 18,5 kWh/100 km.
  • Sportliche Forcierung: Kaum mehr als 20,1 kWh/100 km.

Im Alltagseinsatz ermöglicht der 71,1-kWh-Akku damit verlässliche 350 bis 380 Kilometer Autobahnreichweite. Wer gänzlich ohne Reichweitenangst reisen will, greift zum L03 Power X Long Range für 38.600 Euro: Hier arbeitet ein 62 kW (84 PS) starker 1,5-Liter-Benziner als reiner Generator mit einem 42-Liter-Tank und einem 37,3-kWh-Akku zusammen.

Kampfansage mit klarer Zielgruppe

Der Xpeng L03 ist kein Sportwagen für die Nordschleife. Er ist ein extrem komfortables, sparsames und blitzschnell ladendes Alltags-SUV. Mit 7 Jahren Fahrzeuggarantie (bis 160.000 Kilometer) und einer Vollausstattung für unter 40.000 Euro wird dieses Auto der europäischen Konkurrenz gewaltig zusetzen.

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2 Kommentare

  1. Unter dem Ultra gibt es den normalen Allrad ohne KI Chips, etc. für spürbar weniger Geld und die Massagefunktion gibts nur im Ultra. Auf die Details bitte achten. 😉 Was Fahrwerk angeht: Das kann man nachrüsten wenn man es sportlicher will. Ladeleistung und Akku nicht. 🙂

  2. beim Leasing vielleicht. beim Kauf nicht.

    Die Chinesen sind super von der Technik, aber nach der Garantie ist das oft eine Sache

    hier ist VW definitiv vorbildlich, Module können relativ gut einzeln getauscht werden.

    36 k auf das Risiko

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